Plinius' Konflikt mit der modernen Welt

Latein war schon immer sein Problem-Fach gewesen, deshalb musste Martin etwas gegen seine schlechte Note unternehmen. Er entschied sich für ein Referat über das Leben von Plinius dem Jüngeren. „So ein Mist, schon halb zehn und morgen muss ich dieses *piep* (zensiert) Referat halten! Wo kann ich bloß die Informationen her bekommen?“ In der Hoffnung dort etwas zu finden, durchsucht Martin das Internet. „Was ist das denn? Jetzt stürzt das Teil auch noch ab!" Mit einem gekonnten Schlag will er den PC wieder in Gang bringen. RauchsignaleDoch seine Wut ist zu groß um seine Kraft zu kontrollieren! Plötzlich... Funken... Rauch tritt hervor!... Martin springt vom Stuhl auf. Langsam verzieht sich der Rauch. „Salve?!“ ertönt eine Stimme. „Wer ist da?!“ Jetzt erkennt Martin einen komischen alten Mann. „Ego sum Plinius.“ (Kommentar der Redaktion: Um den folgenden Text verstehen zu können, wurden die Aussagen des Plinius für die Schüler übersetzt.) „Wo bin ich denn?“ „Wie, wo bist du hier?! Du hast meinen Computer zerstört!“ „Com..., Com..., Com...was?!“ „Oh mein Gott, ich glaub du kommst wirklich aus der Antike!“ „Was für eine Antike? Ich komme nicht aus der Antike! Wo liegt das überhaupt?“ „Das liegt fast 2000 Jahre zurück. Wir haben jetzt das Jahr 2001 n. Chr..“ „Wie, nach Christus?! Ist das Christentum denn schon so anerkannt, dass man die Zeit danach rechnet?“ „Wahnsinn, du bist echt durch die Zeit gereist!“ „Das ist Hexerei!“ „Beruhig dich, Alter! Wo du schon mal hier bist, kannst du mir auch direkt was über dein Leben erzählen – ich muss nämlich ein Referat darüber halten.“ „Ich bin zwar noch etwas verwirrt, aber ich bin sehr geehrt, dass man mir nach so langer Zeit noch so viel Ruhm zuspricht. Ruf deinen Sekretär und wir fangen sofort an.“ „Haha, Sekretär!“ Martin nimmt sein Diktiergerät zur Hand: „Das ist mein Sekretär.“ „Was ist das für ein seltsamer Sekretär?! Meiner ist wesentlich größer und hat zwei Arme und zwei Beine.“ „Dafür ist meiner viel effektiver. Leg einfach los!“ Er schaltet das Diktiergerät ein. „Ich wurde in Novum Comum geboren... – dein Sekretär schreibt ja gar nicht!“ Ohne Worte drückt Martin zuerst den Rückspul- und dann den Wiedergabe-Knopf. Zufrieden sieht er Plinius an, als dessen Stimme aus dem Gerät ertönt. „Hilfe, Hexerei, Teufelszeug!“ Erschrocken macht Plinius einen Salto rückwärts, wobei sich sein langer Bart im Aktenvernichter verfängt. Martin eilt ihm mit einer Schere zu Hilfe und schneidet den Bart ab. „Hey, pass auf – ich brauch dich doch noch!“ „Was ist das schon wieder für ein gefährliches Ding? Hier wird man ja auf Schritt und Tritt bedroht! Ich will wieder nach Hause. Auf dem Lande konnte ich, wenn ich bei Sonnenaufgang aufstand, mich in Ruhe in meinem dunklen Zimmer meinen Studien hingeben und wenn ich etwas ausgearbeitet hatte, konnte ich meinen Sekretär rufen und ihm alles diktieren.“ „Das hier ist viel besser als ein Sekretär. Und ein dunkles Zimmer kannst du hier auch haben.“ Martin fährt seine vollautomatische Jalousie herunter. „Wie funktioniert das schon wieder?“ fragt Plinius erstaunt. „Durch Elektronik!“ gibt Max schlau zur Antwort. „Elektronik? Nie habe ich von so etwas gehört! Fragezeichen– Aber ich studiere und diktiere auch beim spazieren gehen oder im Wagen. So etwas kannst du mit deinem Sekretär nicht!“ „Natürlich, dafür nehme ich meinen Laptop.“ „Häh?“ „Ja und anstatt eines Wagens benutzen wir unseren Mercedes.“ „Ich versteh gar nichts mehr,“ antwortet Plinius irritiert. Sie gehen in die Garage und Martin zeigt Plinius den PKW. Martin erklärt: „Das ist ein motorbetriebenes Kraftfahrzeug.“ „Aha. Auf meinem Landsitz ließ ich nach dem Essen aus einem Buch vorlesen oder Komödie oder Laute spielen. Danach traf ich mich mit Freunden und redete bis zum späten Abend mit ihnen.“ „Für den richtigen Sound sorgt meine Stereo-Anlage. Wenn du etwas sehen möchtest, musst du den Fernseher anschalten. Mit meinen Kumpels treffe ich mich auch fast jeden Tag, aber nicht heute, denn ich muss ja das Referat über dich schreiben.“ „Deine Welt ist wirklich höchst interessant!“ stellt Plinius begeistert fest. „Ja, aber kannst du mir nicht noch was über dich und dein Leben erzählen?“ „Natürlich...“

Am nächsten Morgen wacht Martin in seinem Bett auf. Die Erinnerungen an Plinius kommen zum Vorschein. Martin hält alles für einen Traum, bis er endlich aufsteht und auf seinem Schreibtisch ein fein säuberlich abgetipptes Referat über Plinius den Jüngeren vorfindet.

Helene Uffelmann, Karoline Ludwig, Kesrin Pohl, Sonja Brambring