Verkehrsmittel im 18. Jahrhundert

Das Motto heutzutage "je schneller, desto besser". Im 18. Jahrhundert war das ganz anders. Das dominierende Verkehrsmittel war der Ochsenkarren oder Pferdekutschen. Um ein Mal vom Norden Frankreichs in den Sueden zu fahren brauchte man mit einer Postkutsche mehrere Tagen. Mit einem langsamen Ochsenkarren sogar doppelt so lange.
Ochsenkarren waren im 18. Jahrhundert das, was heute die Lkws sind. Sie transportierten schwere Lasten, wie Lebensmittel oder verschiedene Rohstoffe von einem Ort zum anderen. Ochsenkarren bestanden meist aus zwei starken Ochsen, die einen zweirädrigen Karren zogen, der mit der jeweiligen Ware beladen war.
Personen wurden ueber diesen Weg nicht befördert. Der Bauer ging zu Fuss, sogar ueber längere Entfernungen. Fuer die etwas wohlhabenderen Buerger standen die Postkutschen zur Verfuegung. Je nach Bedarf wurden zwei oder vier Pferde eingespannt, die relativ schnell mehrere Passagiere und Post ueber längere Distanzen hinweg transportierten. Etwas schneller, dafuer aber auch nur fuer eine Person gedacht, waren die sogenannten Postkaleschen. Vor einer geschlossenen Kabine wurde ein Pferd mit einem Reiter eingespannt. Die Postkutschen und Postkaleschen erhielten im uebrigen ihren Namen nicht aufgrund der Tatsache, dass sie Post beförderten, sondern weil an bestimmten Relais-Posten die Kutschpferde gegen ausgeruhte Pferde ausgetauscht wurden.
Fuer kurze Strecken, zum Beispiel in einer Stadt, verwendete man Vinaigrtte, die so funktionierten, wie eine Postkalesche, bis auf den Unterschied, dass eine Person den Wagen zog, oder Sänften, die von zwei Trägern getragen wurden. Sänften hatten in den größeren Städten den Vorteil, dass sie kleiner waren, und deshalb schneller durch die engen Gassen, die oft durch den zunehmenden Wagenverkehr verstopft waren, gelangen konnten.
Doch auch die Binnenschifffahrt wurde zur Beförderung von Lasten genutzt. Im Durchschnitt waren die Frachtkähne dreissig Meter lang und wurden ueber sogenannte Treidelpfade von Pferdegespannen gezogen. Gegebenenfalls konnte sogar nur ein Mann den immerhin rund 280 Tonnen schweren Kahn selber ziehen. Frachtkähne waren im 18. und 19. Jahrhundert die effektivsten Transportmittel. Sie waren zwar nicht schneller als Ochsenkarren, konnten aber mit nur einer Fahrt ein Vielfaches an Fracht mitnehmen. Allerdings ist heute die Binnenschifffahrt nicht mehr so bedeutend. Nur noch gut zwölf Prozent der gesamten Fracht Deutschlands wird ueber Fluesse und Kanäle befördert.
Bereits im 18. Jahrhundert erkannte man die Bedeutung der Erfindung der Dampfmaschine, die nicht nur die Wirtschaft und die Industrie, sondern auch das Transportsystem revolutionieren sollte. Dampfmaschinen wurden zu Versuchszwecken auf Wagen montiert, um auszuprobieren, ob ein solches Gefährt besser geeignet war, als ein Ochsenkarren, oder eine Pferdekutsche. Doch dieser Versuch scheiterte. Es kam sogar vereinzelt zu schweren Verkehrsunfällen.
Viel nuetzlicher erschien die Möglichkeit Dampfmaschinen ueber lange Schienenstrecken fahren zu lassen. 1804 baute Richard Trevithick in Wales die erste auf Schienen laufende Lokomotive der Welt. Sein Zug bestand aus einer Lokomotive und fuenf Waggons, die mit 70 Passagieren und zehn Tonnen Eisen beladen waren. Fuer eine Strecke von 14 km brauchte der Zug vier Stunden und fuenf Minuten. Fuer damalige Verhältnisse revolutionär. Nun begann der Siegeszug der Eisenbahn. 1829 fuhr die von George Stephenson konstruierte Lokomotive Rocket die Rekordgeschwindigkeit von 48 km/h. Sie wurde im Linienverkehr zwischen Liverpool und Manchester eingesetzt. Nun wurde die Eisenbahn auch nach Europa und Amerika exportiert, wo sie große Erfolge feierte.
Ein weiterer Vorteil brachte die Dampfmaschine der Schiffahrt. 1736 entwarf der Engländer Jonathan Hull einen Schlepperkahn mit zwei einfachen Schaufelrädern. Doch wahrscheinlich wurde dieses Schiff nie gebaut, da zu jener Zeit die Dampfmaschinen keine ausreichende Leistung fuer diese Aufgaben lieferten. Erst 1816 wurde das erste mit einer Schraube angetriebene Schiff vorgestellt.
Bis zu dieser Zeit begnuegte man sich weiterhin mit der Kraft des Windes. Große Clipper brachten Fracht und Passagiere zum Beispiel von Europa nach Amerika. Insbesondere England baute die größten Segelschiffe. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Cutty Stark eine Ladung Wolle in nur 69 Tagen von Australien nach England, einen Monat schneller, als andere Schiffe zu jener Zeit.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde aber nicht nur der Grundstein fuer Automobile, die Eisenbahn, oder die Schifffahrt gelegt, sondern auch fuer die Luftfahrt. Durch Zufall entdeckten die Gebrueder Montgolfier den Nutzen von heisser Luft. Sie konstruierten einen großen Sack, den sie von unten mit heisser Luft fuellten. Der Versuch verlief erfolgreich, sodass sich 1783 ein zehn Meter breiter Ballon in die Luefte erhob. Am 21. November stiegen schließlich der Marquis d'Arlandes und Jean-Francois Pilâtre de Rozier an Bord eines Montgolfier-Ballons. Ihr Flug dauerte 25 Minuten und fuehrte sie in eine Höhe von 152 Metern. Nun hatte der Mensch auch den Himmel bezwungen.
Zusammenfassend könnte man sagen, dass das 18. Jahrhundert die Basis fuer alle Verkehrsmittel der heutigen Zeit geschaffen hat. Es wurde nicht nur die Industrie mit der Dampfmaschine revolutioniert, sie revolutionierte auch das Transportwesen, sowohl an Land, alsauch auf dem Meer. Ohne die Gebrueder Montgolfier wäre auch die Luftfahrt wahrscheinlich nie da, wo sie heute ist.

Fabian Kast

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