Der Knigge für das Praktikum

VON ANJA RAUDONAT

aus Rheinische Post im Oktober 2005

DÜSSELDORF Praktika erhöhen die Berufschancen nach Studienabschluss. Das weiß jeder, und den­noch nutzt noch längst nicht jeder Student die vorlesungsfreie Zeit, um in einen Betrieb hinein­zuschauen und wenigstens eine Ahnung davon zu bekommen, wie das Leben nach dem Campus weitergehen könnte. Ein Fehler. Denn die meisten Personalchefs setzen mittlerweile einfach voraus, dass Hochschulabsolventen neben theoretischem Fachwissen auch praktische Erfahrungen und Fertigkeiten mitbringen.

Adieu, Semesterferien, die, man bis dato bevorzugt zur Erholung nutzte - willkommen, Zeitalter der Praktika. Und das muss nicht bedeuten, sechs Wochen lang acht Stunden am Tag seine Fertigkeiten im Kaffeekochen und Kopieren zu verfeinern.

Die Erfolgsformel: 3x3

Wie hilft man seiner Karriere mit Praktika auf die Sprünge? Die Erfolgsformel, die Heidi Keller und Nadine Nöhmaier in ihrem Ratge­ber „Praktikums-Knigge" auf- und vorstellen, lautet: 3 x 3. Ein Praktikum zum Orientieren, eins zum Überprüfen, eins zum Vertiefen, jeweils drei Monate lang, um gut eingearbeitet werden zu können.

Optimal sei ein „roter Faden", an dem sich der Student bei der Planung seiner Ausflüge in die Praxis entlang hangelt. Die Studienwahl gibt dabei die Richtung vor, die Praktika sind sinnvoll darauf aufgebaut, erläutert Anna-Maria Engelsdorfer von der Arbeitsagentur München, eine von etlichen Expertinnen, die im „Praktikums-Knigge" zu Wort kommen, Auch mit deren Hilfe beantwortet der Ratgeber viele Fragen rund um das Thema Praktikum.

Für das Bewerbungsschreiben gilt es, schnell auf den Punkt zu kommen und präzise zu formulieren. „Die Form ist nicht wichtiger als der Inhalt, aber sie kann ein Ausschlusskriterium sein", berichtet Harald Mayer, der in der Personalabteilung einer Softwarefirma arbeitet. Auf  das Vorstellungsgespräch muss man sich laut „Praktikums-Knigge" gut vorbereiten: Pünktlichkeit ist selbstverständlich, offene Körperhaltung und Präsenz verraten, ob man hinter dem Gesagten steht.

Ein weiteres Kapitel widmet sich rechtlichen Fragen: Wie hat der Arbeitsvertrag auszusehen, wie bin ich versichert, was ist mit Bafög und Kindergeld? Klingt nach trockenem Papierkram, ist hier aber schön kurz und gut verständlich dargestellt.

Wie man auf den Chef zugeht

Ein Knigge während des Praktikums ist hilfreich: strahlend und mit ausgestreckter Hand auf den zukünftigen Chef zuzugehen mag zwar sympathisch wirken, ist aber nach klassischen Benimmregeln falsch.

Trifft man auf dem Gang einen Kollegen, sollte jedoch der Praktikant als Rangniedrigster zuerst grü­ßen. Eine Liste möglicher Fettnäpfchen, in die man während seines Praktikums stürzen könnte, benennt der „Praktikumsknigge" nebst diplomatischer Lösungen.

Der „Praktikums-Knigge" bietet nützliche Verhaltenstipps, Adressen großer Firmen, bei denen man sich bewerben kann, Expertenmeinungen zum Thema Praktikum und Erfahrungsberichte; für potentielle Praktikanten eine hilfreiche Lektüre.

Das Buch: Heidi Keller und Nadine Nöhmaier: „Praktikums-Knigge. Der Leitfaden zum Berufseinstieg", Verlag Clash, 191 Seiten, 9,90 Euro - direkt bestellbar bei

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