Die Theater-AG

Liebe Schülerinnen und Schüler,

liebe Eltern,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freunde des Max-Planck-Gymnasiums,

jede Anstrengung, jede Arbeit strebt danach ein bestimmtes Ziel zu erreichen und wenn dies in besonderer Weise gelingt, wird die erbrachte Leistung geadelt durch allgemeine Zustimmung, hohe Anerkennung und lang anhaltenden Applaus. Dies gelang am 9. und 11. November der Theater-AG, die Cornelia Funkes „Herr der Diebe" dramatisierte und auf die Bühne des Max-Planck-Gymnasiums brachte.

Theaterspiel hat am Max-Planck-Gymnasium eine eigene und lange Tradition: Immer wieder kommt es im Rahmen von Literaturkursen und Initiativen einzelner Klassen zu Aufführungen teils vor kleinem Publikum oder gar vor der gesamten Schulgemeinde und der interessierten Öffentlichkeit. Und mindestens einmal sollte sich jede Schülerin und jeder Schüler an einem solchen Projekt beteiligen, denn die Erfahrungen, die hier gewonnen werden, sind so eindrucksstark und nachhaltig, dass man sie eigentlich nur erleben und kaum beschreiben kann.
So verfolgt auch die vor vier Jahren eingerichtete Theater-AG die Absicht, das Interesse am Schauspiel bei jüngeren Schülerinnen und Schülern zu fördern bzw. zu festigen und auch in ihrer Schule aktive Theaterarbeit zu erleben.

Die Arbeit der Theater AG begann im Rahmen einer Projektarbeit der damaligen Klasse 5 b. Im Deutschunterricht hatte der Klassenlehrer Michael Kalusche mit seiner Klasse den Roman von Willi Fährmann „Der überaus starke Willibald" gelesen, doch dabei sollte es nicht bleiben.
Glückliche Fügung war es, dass Astrid Mühle als Schülermutter zu dieser Klasse gehörte und dass sie selbst das Theater nicht nur liebt, sondern aktiv im Rahmen einer Gruppe für Improvisationstheater spielt. Frau Mühle ließ sich nicht lange bitten, sondern leistete von da an eine besondere Art von Elternmitarbeit.
Gemeinsam wurde der Roman dramatisiert und aufgeführt. Durch den großen Erfolg animiert wurde schnell der Wunsch laut, eine derartige Arbeit auch mit Schülerinnen und Schülern anderer Klassen gemeinsam anzugehen - die jahrgangsstufen-übergreifende Theater-AG wurde etabliert.

Mit 20 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 6-8 begann zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 die Arbeit und sie erfuhren zunächst „Trockenübungen" - ohne einen Bezug zu einem konkreten Stück - ganz im Sinne des Improvisationstheaters bzw. einer „Schauspielschule":

Wie erlebe ich einen Raum?

Welche unterschiedlichen Bewegungsmöglichkeiten kenne ich?´

Wie realisiere ich diese?

Wie reagiere ich auf eine ganz bestimmte Art einer anderen Person?

Wie drücke ich meine eigenen Gefühle aus?

Was fällt mir als Text ein in einer bestimmten Situation in Konfrontation mit einem ganz bestimmten Menschen?

Herr Kalusche schildert diese Phase der Arbeit mit folgenden Worten:
„Hier kamen die aberwitzigsten, wunderschönsten Szenen zustande, die man sich vorstellen kann! 13-Jährige auf der Höhe ihrer Einbildungskraft, ihrer Fähigkeit sich spielerisch zu entäußern, auszuloten, was die Welt als Handlungsalternativen bereit halten könnte! Widerstand gegen den alltäglichen Druck der Norm! Aber auch: Wann bin ich „privat", wann verkörpere ich eine Rolle? Eine Schule für's Leben ? Hoffentlich ! Eigentlich das wirkliche Leben! Oder der Traum davon !?"

Irgendwann waren die Trockenübungen nicht mehr genug, der Wunsch etwas, auch etwas von sich selbst zu zeigen, setzte sich gegen die Befürchtung unter einen Leistungsdruck zu geraten durch. Die Suche nach einem Stoff, dem Stück begann. Zu den Favoriten vieler Kinder gehören die Romane von Cornelia Funke wie der „Herr der Diebe", der war's!

Nun galt es eine Textfassung für die Bühne zu erstellen und das heißt Szene schreiben, probieren, umschreiben, umstellen und wieder von vorn.
Auch das vermittelt Theaterarbeit: Beständigkeit und Disziplin sind unverzichtbar und Einsatz wird auch über die normalen Zeiten hinaus erwartet und eingefordert. Nicht jedem sagt dies zu, da hat plötzlich einer „keine Zeit" mehr oder einfach keine Lust sich einem dann doch als plötzlich rigoros erlebten Regieteam Mühle/Kalusche zu unterwerfen.

Aber was heißt das für die verbleibenden Spieler? Figuren müssen getauscht oder gar ganz aufgegeben werden. Neuer Text, neue Probentermine. Aber was ist dann wichtiger? Der Fußballverein oder die Theater-AG? Der Kampf um Probentermine begann, doch es wurde geprobt, wenn nötig an Wochenenden und an Feiertagen.

Auch wenn ein Raum, in dem sich Schauspieler bewegen, karg sein kann und weniger Kulissen bedarf, sind doch - gerade bei komplexen Zusammenhängen - Bühnenbilder und Kostüme von Nöten.
Die Theater-AG wurde hier aufs Feinste von Eltern unterstützt: Die Bühne wurde von Frau Irma Pastor ideenreich und effektvoll eingerichtet, einige Kostüme liebevoll von verschiedenen Eltern geschneidert. So wurden die Zuschauer eingetaucht in die eindrucksvolle Atmosphäre Venedigs mit ihren Brücken und steinernen" Engelstatuen.

Wir am Max-Planck-Gymnasium schätzen uns glücklich, Eltern in unseren Reihen zu haben, die ihre Mitarbeit vielfältig anbieten, dabei zuverlässig und hoch professionell zu Werke gehen. Dabei fragen sie nicht lange, wer was tun könnte, sondern packen mit an und tragen damit maßgeblich zum Erfolg unserer Arbeit bei.

Immer näher rückt letztlich nach allen Proben der Moment der Aufführung, doch zuvor müssen Ankündigungsplakate erdacht und erstellt (Roland Steber), Probenphotos (Reinhard Winter) gemacht, die für das Programmheft (Michael Kaiusche) gebraucht werden und die Bewirtung der Theaterbesucher (Jahrgangsstufe 12) organisiert werden, und ... und ... und

Vorhang auf

Der „Herr der Diebe" erfuhr in der Fassung der Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums eine sehenswerte Umsetzung, voller Ideen, faszinierender Bühnenbilder und Kostüme, engagierter Schauspieler mit Spielfreude und Spielwitz, getragen vom unglaublichen Engagement von Frau Mühle und Herrn Kalusche.

Nachdem bereits die Premiere ein begeistertes Publikum fand, steigerten sich die Spieler in der zweiten Aufführung - nicht zuletzt auch getragen vom Erfolg und der liebevoll-konstruktiven Kritik der Regie - noch mehr und machten auch diesen Abend zu einem reinen Vergnügen.

Theater zu spielen erlaubt dem Schauspieler in ganz verschiedene Rollen zu schlüpfen, schult die eigene Wahrnehmungsfähigkeit und die Fähigkeit sich in einen anderen hinein zu versetzen und die Welt durch seine Augen zu sehen. Erfahrungen, die im Alltag und in der Zukunft immer wieder genutzt werden können.

Daher ist es wichtig, dass es uns gelingt, Schülerinnen und Schüler zum Theater zu führen, selbst die Bühne zu betreten und sich frei zu spielen, ich hoffe, die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses, der Schwarzlichttheater-AG und die "kleinen" Theaterprojekte in Klassen lassen sich inspirieren von der geschilderten Arbeit der Theater AG.

Mit besten Wünschen Ihre