GYMNASIASTEN-LEBEN 2005
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Mit System die Oberstufe meistern Bonn (rpo). aus rp-online vom 19.07.2005 Nach der Einschulung und dem Wechsel auf eine weiterführende Schule ist die nächste wichtige Hürde in der Schullaufbahn die Mittlere Reife und bei vielen direkt anschließend der Eintritt in die Oberstufe. Diese sorgt mit ihren speziellen Herausforderungen bei manchem für weiche Knie. Doch das muss nicht sein, wenn man die letzten zwei oder drei Jahre systematisch angeht. Wer von Anfang an nicht nur die jeweils nächste Klausur im Sinn hat, seine Unterlagen beisammen hält und sich nebenbei die nötige Entspannung gönnt, der hat gute Karten, am Ende mit mehr als nur einem ordentlichen Abi dazustehen. Egal, ob die Prüfungen nach 13 oder schon nach 12 Jahren anstehen: "Die Oberstufe ab der 11. Klasse ist eine eigene Liga", sagt Detlef Träbert von der Aktion Humane Schule in Köln. Zumindest für Schüler, die zuvor schon ein Gymnasium besucht haben, ist der Übergang von der Mittel- in die Oberstufe zwar nicht unbedingt ein Niveausprung, wie Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes in Berlin, betont. "Aber für diejenigen, die von einer Real- oder Gesamtschule kommen, ist das ein Riesenschritt", sagt Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband in Bonn. Es weht ein anderer Wind Schon an vermeintlichen Kleinigkeiten können Schüler feststellen, dass nun ein anderer Wind weht: "Der Lehrer diktiert nicht mehr oder schreibt alles an die Tafel", sagt Kraus. Die Hausaufgaben-Kontrolle wird laut Meidinger "altersgemäß zurückgefahren". Dies sollte nicht dazu verlocken, aufs Mitschreiben und die Hausaufgaben zu verzichten. Jeder muss selbst entscheiden, wann etwas für ihn notierenswert ist. Vor dem Start des Kurssystems darf eine ganze Reihe von Fächern abgewählt werden. Da mag es nahe liegen, für diese Fächer nicht mehr viel zu lernen - oder sich in anderen, die weiterhin belegt werden, strategische Durchhänger zu gönnen. Letzteres ist laut Kraus jedoch gefährlich, weil sich Versäumtes nicht immer wie geplant nachlernen lässt. "Das gilt vor allem in Fremdsprachen oder Mathe, wo der Stoff aufeinander aufbaut." Und wenn ein Fach mit einer "Fünf" abgewählt wird, steht das "Mangelhaft" zumindest als Makel im Abiturzeugnis. Immer schon für das Abi lernen Hat das Kurssystem begonnen, gilt es, nicht nur für die nächste Klausur, sondern immer auch schon für das Abi zu lernen - auch wenn dieses noch in weiter Ferne zu liegen scheint. "Jede Art von aktiver Beschäftigung damit trägt zum langfristigen Lernen bei", sagt Martin Schuster, Psychologie-Professor an der Uni Köln. So sollten zu den vorgegebenen Themen zum Beispiel auf eigene Faust Informationen im Internet oder Literatur in der Bibliothek gesucht und gelesen werden. Bei der Aufbereitung des Lernmaterials hilft es Schuster zufolge, den Stoff zu "emotionalisieren", indem der etwa mit passenden Bildern - wiederum aus dem Netz heruntergeladen - versehen wird. "Bildhafte Anreicherung sorgt dafür, dass man besser lernt." Auch "Mind Maps" ermöglichen bildhaftes Lernen. Dafür werden zentrale Thesen des zu bearbeitenden Themas in verschiedenen Farben auf ein großes Blatt Papier geschrieben und Querverbindungen hergestellt. Ebenfalls lohnenswert kann es sein, von Hand Mitgeschriebenes noch einmal abzutippen - nicht nur, weil dadurch der Gefahr begegnet wird, die eigene Sauklaue später nicht mehr entziffern zu können: "Ein zweites aktives Bearbeiten fördert die Verankerung des Stoffs im Langzeitgedächtnis", sagt Josef Kraus vom Lehrerverband. Arbeitsgruppen bilden Vor Klausuren oder in der Prüfungsphase sollten die Mitschriften nicht nur stur gelesen werden: Den Ordner öfter zuzuklappen und den Stoff laut vorzutragen, bringt Schuster zufolge mehr. "Das Lernen findet weniger beim Aufnehmen als beim Wiedergeben statt." Laut Meidinger vom Philologenverband lohnt es sich, Arbeitsgruppen zu bilden und sich den Stoff gegenseitig vorzutragen. "Es können sich etwa die zusammentun, die dasselbe mündliche Prüfungsfach haben." Auch stille Schüler sollten wissen: Der Stellenwert der mündlichen Mitarbeit wird in der Oberstufe und vor allem im Kurssystem gegenüber den vorangegangenen Jahren noch einmal größer - "schon deswegen, weil gerade in den Leistungsfächern die Gruppen meist kleiner sind", sagt Träbert. Für manche Schüler mag die Vorstellung beängstigend sein, ständig ihr Wissen mündlich unter Beweis stellen beziehungsweise die eigene Meinung kund tun zu müssen. Doch es lohnt sich, den inneren Schweinehund zu überwinden, wie Träbert erklärt - nicht nur mit Blick aufs mündliche Abitur, bei dem jeder den Mund aufbekommen muss: "Das ist auch eine Chance, sich zu profilieren." Die Nacht ist nicht zum Lernen da Wer es nicht schafft, regelmäßig mitzuarbeiten, dem rät Träbert, sich mit Strichlisten selbst auf die Sprünge zu helfen: Für jede Meldung gibt es einen Strich - und in der nächsten Stunde geht es darum, das Ergebnis der vorangegangenen zu übertrumpfen. "Das hat zugleich den Effekt, dass man mehr vom Unterricht mitbekommt." Effektives Lernen hin oder her: Irgendwann raucht jedem der Kopf - gerade in der Prüfungsphase. Dann heißt es, das hinzunehmen und für Entspannung zu sorgen. "Bewegung beim Radeln, Schwimmen oder Joggen stabilisiert das vegetative Nervensystem und macht gelassener", rät Josef Kraus. Und laut Schuster gilt: Die Nacht ist nicht zum Lernen da: "Guter Schlaf ist in dieser Situation sehr wichtig." |