Mathe ohne Worte

Hirnforschung

veröffentlicht in rp-online am 14.02.2005

Washington (rpo). In wie weit Mathematik und Sprache zusammenhängen, haben jetzt britische Wissenschaftler erforscht. Rosemary Varley von der Universität von Sheffield und ihre Kollegen zeigten, dass mathematische Prinzipien auch ohne Sprachzentrum zur Verfügung stehen. Dazu führten sie Test mit drei Männer durch, die nach einer Hirnverletzung an Sprachstörung litten.

Obwohl die Probanden in den  Tests nicht in der Lage waren, einfachste Sätze zu bilden oder zu verstehen, lösten sie dennoch problemlos komplexere mathematische Aufgaben. Die Männer verstanden beispielsweise den Unterschied zwischen den Sätzen "Der Mann tötet den Löwen" und "Der Löwe tötet den Mann" nicht. Die Rechenaufgabe 7-5 und 5-7 konnten sie jedoch unterscheiden. Insgesamt schnitten die Probanden bei den Rechenaufgaben sehr gut ab.

Wissenschaftler diskutieren den Zusammenhang zwischen sprachlichen und mathematischen Strukturen immer wieder, denn es gibt durchaus Parallelen. Sätze mit eingeschobenen Nebensätzen ähneln beispielsweise Rechenaufgaben mit Klammern. Einige Hirnforscher nehmen daher an, dass beim Erlernen von Grammatik ein grundlegendes System angelegt wird. Auf dieses Denkmuster wird auch bei Mathematikaufgaben zurückgegriffen.

Die Ergebnisse der britischen Forscher widersprechen dieser Theorie. Mathematische Zusammenhänge werden nicht durch Wörter codiert. Sie vermuten, dass sich Sprache und Mathematik zwar während der Hirnentwicklung als Embryo auf dem gleichen Weg entwickeln, im fertig entwickelten Gehirn jedoch unabhängig voneinander funktionieren.

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